Der Spiegel

Peter Lenk, 39, Bildhauer und Schöpfer der Berliner "Mauerkieker",
erfuhr dass für Kunst und Humor in der kleinen Bundeshauptstadt kein Platz ist. Den Antrag, seinen "Dionysos im Fettnäpfchen" (Lenk: "Der zeitgemäße, eher schwergewichtige Archetyp des ursympathischen Nachkriegspolitikers") am Wahlsonntag neben dem Adenauerkopf vor dem Bundeskanzleramt placieren zu dürfen, lehnte die Stadt Bonn ab, genehmigte aber die kurzfristige Aufstellung auf dem Münsterplatz Dort sorgte der sitzende Gott für mittleres Aufsehen. Am nächsten Morgen erschien ein aufgeregter städtischer Beamter mit der polizeilichen Anordnung, dem Fettnäpfchen die Aufschrift ("Den Siegern 1987") zu nehmen. Peter Lenk gab nach, aber nicht auf: In einem Brief bot er sein Werk jetzt dem Kanzler als Schenkung an, allerdings verbunden mit der Auflage, "dass das `Fettnäpfchen` auch der Opposition und den Gewerkschaften bei Bedarf zur Verfügung gestellt wird."

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