Der Spiegel 8.Mai 2000
Helmut Kohl, 70,
ehemaliger Bundeskanzler ("Bimbeskanzler"), ist derzeit auf dem historischen Marktplatz von Biberach als Teil einer riesigen Eselsplastik zu besichtigen.
Peter Lenk, Bildhauer und berüchtigt für seine meist ins Groteske verzerrten Menschengestalten, enthüllte am vergangenen Samstag in der schwäbischen Stadt ein acht Meter hohes, in Beton gegossenes Relief eines Esels.
Das Kunstwerk ist in manieristischer Manier aus zahlreichen Menschendarstellungen zusammengefügt. Darunter befindet sich auch Helmut Kohl mit Hut samt überdimensionalem Geld-Briefkuvert.
Lenks Esel hat sein Vorbild in dem satirischen Roman des gebürtigen Biberachers Christoph Martin Wieland, "Geschichte der Abderiten" (1781). Darin wird der absurde Rechtsstreit wildgewordener Kleinbürger um des Esels Schatten beschrieben - mit unverkennbarem Biberacher Lokalkolorit.
Während der Kulturdezernent der Stadt Lenks Esel als "ein schönes ironisches Ausrufezeichen" schätzt, musste der Künstler dennoch der Gemeinde versprechen, bei Nichtgefallen sein Grautier nach spätestens zwei Jahren an einen weniger prominenten Standort zu versetzen.
Kommentar vieler braver Biberacher Bürger zum Ankauf des Lenkschen Esels mit Kohl-Bildnis: "So machet's 's Geld hie."

