Südkurier 30.04.2007 Ausgabe Meersburg
Tausende Besucher feiern Lenk-Denkmal
VON SYLVIA FLOETEMEYER
Eitel Sonnenschein herrschte am Samstag bei der Enthüllung von Peter Lenks "Magischer Säule" an der Hafenmole. Denn nicht nur das Wetter spielte mit, auch das Kunstwerk inklusive der bis zuletzt geheim gehaltenen Beigaben stieß auf einhellige Begeisterung bei den zahlreichen Besuchern, unter ihnen 3000 Gäste, die mit der Bodenseeflotte angereist waren.
Mit weit ausgebreiteten Armen empfängt künftig Wendelgard von Halten die Besucher auf der Mole. Und auch die Meersburger begrüßten das splitternackte Edelfräulein, das ihre Ahnherren einst so missachtet und in die Arme der Konstanzer getrieben hatten, mit freundlichem Gelächter. Auf Schmunzeln stieß auch Lenks weitere "Zugabe", eine Teufelsaustreibung durch den Exorzisten Johann Joseph Gaßner, die in Meersburg im 18. Jahrhundert stattfand. Selbst die Dämonen, die aus dem Hintern eines "Besessenen" ausfahren und es teilweise deftig treiben, erregten beim Premierenpublikum keinen Anstoß.
"Was war denn da so umstritten?" fragte ein Passant. "Nix", retournierte Lenk. "Bei mir ist nie was umstritten." Das ist eine sanfte Untertreibung. Hatten doch in der Vergangenheit schon oft große und kleine Berühmtheiten aufgeheult, nachdem sie Lenk plastisch karikiert hatte. So etwa Martin Walser, der "von seiner eigenen Moralkeule getroffen worden sei", wie Lenk in einer Botschaft schrieb, die Michael Schülke, Vorsitzender des Fördervereins Hafenmole, verlas. Denn Lenk weicht Wirbel um die eigene Person bei Enthüllungen traditionell aus. In Anspielung auf Äußerungen Walsers erinnerte Lenk daran, dass er kein Hofbildhauer sondern Satiriker sei.
Das bekamen auch die Meersburger zu spüren. Denn im Vorfeld hatte sich der damalige Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Klaus Kühnemann, erotische Provokationen verbeten. "Doch wer von mir was Bestimmtes haben will, muss es mir nur verbieten", so Lenk. Aber sogar Kühnemann zeigte sich angetan. Auf die Frage von Bürgermeisterin Sabine Becker, ob er ihn denn die Wendelgard aufrege, meinte er: "Ich bin sehr zufrieden mit allem." Da wurde er auch schon zur Säule gezogen: "Herr Kühnemann, schauen Sie mal! Da sind ja Sie." Tatsächlich scheint ein Zuschauer des Exorzismus' Kühnemann zu ähneln Lenk versicherte, das sei purer Zufall.
Tatsächlich hatte er bereits im Vorfeld erklärt, dieses Mal keine noch lebenden Personen zu verewigen. In die Begeisterung über das Kunstwerk war beim ein oder anderen also sicher auch Erleichterung gemischt. Denn manche hatten Lenk in dieser Hinsicht nicht getraut. Nur für eine einzige Figur stand ein reales Vorbild Pate: Als Hommage an Dieter Baumann trägt ein "Zuschauer" dessen Züge. Der verstorbene frühere Vorsitzende des Verschönerungsvereins hatte das Lenk-Denkmal initiiert. Ursprünglich waren nur Annette von Droste-Hülshoff und Franz Anton Mesmer vorgesehen. Doch nach intensiven Recherchen erweiterte Lenk das Personal um Wendelgard, die Teufelsaustreibung, Droste-Schwager Joseph von Laßberg und einen kleinen Amor. Das größte Entzücken löste tatsächlich die Droste aus. Lenk stellte die Dichterin als Möwe dar, die auf der Spitze der Säule ihre Runden dreht. Dass "ihre Poesie funktioniert", war für den Künstler selbst der allerwichtigste Aspekt des Tages.
Nachdem Kuno Werner von den vereinigten Schifffahrtsbetrieben vor der Enthüllung erklärt hatte, dass die Bodenseeschiffe auf ihrer 36. Sternfahrt wie magnetisiert auf Peter Lenks Denkmal zugesteuert seien, fasste Bürgermeisterin Becker dessen Vorgeschichte zusammen: Obwohl eine Veränderung in einer historischen Stadt nur schwer zu bewerkstelligen sei, habe der Gemeinderat bis auf eine Ausnahme dafür gestimmt. Unter den Befürwortern war auch Rudolf Landwehr, der als neuer Vorsitzender des Verschönerungsvereins ebenfalls allen Beteiligten dankte.
Landwehrs Begeisterung wurde aber noch von der seines CDU-Fraktionskollegen Werner Endres getoppt. Der Haltnau-Wirt war über seine neue "Schutzpatronin" Wendelgard ganz aus dem Häuschen. "Die gehört eigentlich auf die Haltnau." Er sei der erste Wirt gewesen, der für das Denkmal gespendet habe, outete sich Endres. Inzwischen seien auch seine Wirts-Kollegen überzeugt. Endres ist optimistisch, dass die noch fehlenden 20000 Euro für das 80000 Euro teure Kunstwerk zusammen kommen werden. Auch die Stadt, die zwar 20000 Euro beigesteuert, sich die Verschönerung des Kreisverkehrs aber das Doppelte habe kosten lassen, könne ruhig noch etwas drauf legen. "Dieses Kunstwerk ist mehr wert als ein Kreisverkehr", meinte Endres.
Und es hat bereits Unterstützer gefunden: Ein Dutzend Wirte spendete Essen und Trinken, das der Förderverein zugunsten des Kunstwerks verkaufte. Nicht zu vergessen die tolle Schüler-Band Cherry Dippers, die kostenlos auftrat, ebenso die Stadtkapelle sowie der Fanfarenzug Meersburg. Einen Riesencoup landete, in Komplizenschaft mit Lenk und mit äußerster Verschwiegenheit, der Winzerverein Meersburg mit Martin Frank an der Spitze: Er ließ rund 3000 Weinflaschen mit Etiketten bestücken, die sechs verschiedene Motive der "Magischen Säule" zeigen.
Je ein Euro pro Flasche fließt in deren Finanzierung. Den reißendsten Absatz fand am Enthüllungstag die lustvoll auf Spätburgundertrauben hockende Wendelgard.
