Südkurier 09.06.2001 Ausgabe Konstanz

  • Mainau-Graf Lennart Bernadotte

Es gibt Menschen, die mögen die Arbeiten des Bildhauers Peter Lenk überhaupt nicht. Manche nehmen moralischen Anstoß an seinem häufig nackigen Brunnen- und Denkmalpersonal, andere halten den Bildhauer und seine Arbeiten für touristische Radaumacherei ohne wahre künstlerische Qualität. Beide Urteile sind in ihrem Absolutheitsanspruch angreifbar, in ihrer grellen Polemik so entlarvend, wie Lenks Karrikaturen selbst. Richtig ist, dass die fränkische Künstler- und Kinderseele aus Bodman Spaß daran hat, zu Lebzeiten hochgerühmte Zeitgenossen frech auf menschliches Normalmaß zu reduzieren. Sei Stilmittel ist eine Satireform, die in ihrer Direktheit an Pamphlete und Karikaturen erinnert, wie sie zur Zeit der Reformation gang und gäbe waren: Der Papst als korrupter Fresser, Kardinäle als Hurenfreunde, Fürsten nur lüsterne Wüstlinge. Mit seinem jüngsten Brunnenwerk im Pfullendorfer Seepark aber hat Lenk einen Großkopfeten der Region in den Mittelpunkt gestellt, der den milden Spott ganz sicher als Kompliment versteht und sich über Lenks Hommage freuen wird: Auf dem "Jungbrunnen" steht pudelnackig , den eingekringelten Schnidelwutz vor sich und mit zarten Schmetterlingsflügeln angetan, Mainau-Graf Lennart Bernadotte. Kein Geheimnis ist es, dass der alte Mainauer hierzulande wegen seiner beträchtlichen Alterszeugungskraft nicht nur an Fasnacht als "Graf Spermadotte" verspottet wird. Nun steht der wohl berühmteste Adels-Selbstvermarkter des Landes, unverwüstliche Wodkatrinker, vielfacher Familienvater, und ewig lebensfrohe, virile Berufsschwede auf dem Podest als Denkmal gegen den Jugend-, Fitness- und Schönheitswahn unserer Zeit. Das muss doch jeden freuen, der selbst schon auf dritten Zähnen mümmelt.

Tobias Engelsing

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