Südkurier, Ausgabe Stockach

...Was sagt die Marine?
"originell", "witzig", "echt geil", "flott" fanden die Besatzungsmitglieder des Partner-UBootes U23 das "Scharping-Denkmal".
Auch Korvettenkapitän Götz Stuck, seit September Kommandant der U23 war beeindruckt: "Ich finde es schick, es ist schön wie das U-Boot in den grünen Fluten schwimmt. Das ist echte künstlerische Freiheit. Nur die Besatzung ist etwas zu bunt zusammengewürfelt. Wir haben jetzt zwar auch Kolleginnen, aber sie sind anders gekleidet."...

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Spiegel 18.Mai 2002 Personalien

Rudolf Scharping
REUTERS

Rudolf Scharping, 54, Bundesverteidigungsminister, ziert seit vergangener Woche ohne sein Wissen ein Denkmal. Gleich in vierfacher Ausfertigung steht der lebensgroß in Beton gegossene Chef der Bundeswehr auf dem mitten in der schwäbischen Stadt Stockach aufgestellten Turm des im Jahr 2001 außer Dienst gestellten U-Boots "U 20". Scharping grüßt als U-Bootoffizier zackig - mal Käppi gerade, mal Käppi schräg, mal ohne. Die Hauptfigur des Denkmals ist freilich ein gemeiner Matrose mit einer üppigen Nackten auf den Schultern. Titel des Denkmals: "Traum eines U-Bootfahrers". Dass Scharping auf dem U-Boot-Rest erscheint, hat er seinem "demonstrativ liebestollen Tauchgang im Swimmingpool auf Mallorca" vor einem Dreivierteljahr zu verdanken, so der Betonplastiker Peter Lenk aus Bodman. Der Künstler und Alt-68er ist der Meinung, der Minister verkörpere "glaubhaft das neue Motto der Bundeswehr ,Make love and war!'"

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Stuttgarter Zeitung 22.Mai 2002

Scharping vierfach und dabei omnipotent

Bildhauer Peter Lenk stellt den Minister bloß und geißelt auch Ravensburger Kindersklavenmarkt

Der Mann ist bekannt für seine ebenso burlesken wie aussagekräftigen Werke. Jetzt hat der Bildhauer Peter Lenk in Stockach und in Ravensburg Skulpturen aufgestellt, die wieder für Gesprächsstoff sorgen dürften.

Von Wolfgang Messner


Rudolf Scharping hat es gewiss nicht leicht: Diverse Krisen, Possen und Skandälchen als Bundesverteidigungsminister nötigen den 54-Jährigen, sich um seines Amtes willen zu verteidigen. Jetzt aber ist der Rheinland-Pfälzer völlig dem Spott preisgegeben - öffentlich und für alle Zeiten. In Stockach ist ein Abbild des Ministers seit vergangener Woche gleich in vierfacher Ausfertigung auf einem U-Boot-Torso als "Oberstaatsbootsmann" zu sehen, in Stein gegossen. Neben ihm ein Leichtmatrose, auf dessen Schultern eine nackte Frau sitzt. Rudolf Scharping grüßt dreimal streng-militärisch geradeaus und einmal nach links weg, während neben ihm die pure Sinnlichkeit lockt. Doch damit nicht genug: Unter der Gürtellinie des steinernen Ministers ist ein stattliches Gemächt schwerlich zu übersehen - und das gleich vierfach an allen Figuren.

Das mögen manche für übertrieben halten, aber so sieht die neueste Schöpfung des Bildhauers Peter Lenk (55) aus, der seit 30 Jahren im benachbarten Bodman ansässig ist. Der gebürtige Nürnberger, Schöpfer der "Imperia" am Konstanzer Hafen, findet in seinen Arbeiten stets eine deutliche, mitunter provokante Bildsprache. Hier muss nichts in das Werk hineingeheimnisst werden. Hier versteht sich alles von selbst. Oft lösen seine Plastiken deftige Skandale aus. So versuchte die Stadt Konstanz jahrelang die sich um sich selbst drehende Kurtisane am Hafen wieder loszuwerden - heute ist die Stadt froh darum: Die "Imperia" ist längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden.

Ob das in Stockach, wo die Scharpings als "Bootschafter" vor der örtlichen Sparkasse stehen, auch so kommen wird, ist noch nicht abzusehen. Das Kunstwerk wurde nur möglich, weil der Gemeinderat Anfang des Jahres verhindert hatte, dass der Turm des U-Boots U 20 wenig fantasievoll in einem Kreisverkehr versenkt wird. Dann durfte Lenk ran. Dass es nun Scharping trifft, verwundert nicht, denn Lenk verewigt gern Prominente kritisch-humorvoll und ist darüber hinaus für eine mittelalterlich-deftige Bildsprache und freizügig-saftige Erotik bekannt.

Bundeskanzler Kohl pflanzte er in einer Eselsplastik auf den historischen Marktplatz von Biberach, Martin Walser setzte er in Überlingen als "Bodenseereiter" so aufs Pferd, als habe ihn seine eigene Moralkeule erwischt. Jetzt ist eben Scharping dran. Der, meint Lenk, habe sich seinen Ehrenplatz "durch seinen Tauchgang im Pool auf Mallorca erarbeitet". Weil er zugleich deutsche Soldaten im Kosovo befehligte, trägt das Werk den Titel "Make love and war." Das habe sich der "Liebesgockel" Scharping auch redlich verdient, meint Lenk.

Kaum stand das U-Boot vor der Sparkasse, machte sich Lenk nach Ravensburg zu einer weiteren, diesmal nächtlichen Aktion auf. Ein Juwelier hatte eine Skulptur bestellt, die an den Kindersklavenmarkt von Ravensburg erinnern soll. Das ist auch für Lenk ein ernstes Thema. Genau vor dem Haus des Juweliers fand bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts der berüchtigte Ravensburger Kindermarkt statt. Kinderhändler holten ihre Opfer aus den armen Bergdörfern in Vorarlberg, Tirol und Graubünden und "verkauften" sie als billige Hilfskräfte in der Landwirtschaft. Erst 1915 endete diese Ausbeutung.

Lenk stellte an der Hausecke eine vier Meter hohe Betonplastik auf. Ein brutal aussehender Knecht hockt auf einem bemitleidenswert dargestellten Kind, erdrückt es beinahe. Auf dem Knecht thront wiederum scheinheilig betend ein Pfarrer. Darüber ist jeweils eine Krone für die weltliche und die kirchliche Macht zu sehen, die den Kinderhandel zugelassen haben. Der Künstler wünscht sich, dass seine Figur zum Ausgangspunkt für Diskussionen um das damals geschehene Unrecht wird. Er weiß, dass nicht alle in Ravensburg gerne an dieses unrühmliche Kapitel erinnert werden.

Peter Lenk wäre aber nicht Peter Lenk, wäre die nächtliche Verankerung völlig legal verlaufen. Denn eine Genehmigung der Stadt hat er nicht. Doch allzu viele Sorgen macht er sich nicht. Die Behörden werden schon ein Auge zudrücken. "Außerdem brauchen die jetzt eine Abrissgenehmigung", sagt Lenk. Der Bildhauer mit den deftigen Botschaften hat sich seine eigene Weisheit zurechtgelegt und beruft sich auf Goethe: "Es wird einem nichts erlaubt, man muss es sich nur selber erlauben, dann lassen es sich die anderen gefallen - oder nicht."

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